die beste Zeit

das Kulturmagazin im Bergischen Land

„die beste Zeit“, Ausgabe April – Juni 2018, liegt in unseren Verkaufsstellen für Sie bereit. Erfreuen Sie sich an Geschichten, Reportagen, Kritiken und Kulturtipps aus dem Bergischen Land und darüber hinaus.

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Editorial

Die Redaktion schreibt mir eine Mail und fragt an , ob ich nicht das Editorial für „die beste Zeit“ schreiben möchte. Schreiben tue ich ja gern und los geht es damit, dem neuen Stück einen Takt zu geben, die Zeit will ja strukturiert sein und natürlich das Tempo, damit ich weiss, wie die Zeit vergeht- wird angegeben in bpm, beats per minute-aua, warum hat der musikalische Impuls den gleichen Namen, wie der Kinnhaken: Schlag? Doch nicht so schlimm, liegt sicher am Herzschlag, den steten rhythmisch Fluß nennen wir ja auch Puls, wenn die musikalische Zeit gleichmäßig vergeht.
Jetzt sitze ich am Rechner, an dem ich die meiste Zeit Töne organisiere und sinniere, ob ich überhaupt die Zeit habe, diesen Text zu schreiben. Völliger Schwachsinn, diese Formulierung „Zeit haben“, ich kann unmöglich Zeit haben, wenn es da irgendwelche Besitzverhältnisse gibt, dann hat höchstens die Zeit mich. Mir ist es tatsächlich egal, ob mein Zug vierzig Minuten verspätet ankommt und ob die Ampel noch dreimal auf rot schaltet, ich kann keine Zeit haben, muss nur irgendwie mit ihr klar kommen.
Sorry, ich wollte ja über Musik sprechen, weil ich mit der (und meiner Frau) am liebsten die Zeit verbringe. Axel Jungbluth, der uns die Jazzharmonielehre erklärte und einer der besten Lehrer war, den ich kennenlernen durfte, wagte gar eine Definition von Musik. Er meinte „Musik ist die Organisation von Zeit mittels Tonhöhen und Tondauern“.
Also nehme ich mir jetzt die Zeit, nein, wieder eine blöde Formulierung, wenn ich sie genommen hab, die Zeit, muss ich sie ja auch irgendwo hinstecken/ ablegen/ rein legen. Also noch mal: Ich nutze jetzt die Zeit, um Euch ein paar einfache, aber vielleicht wissenswerte Dinge über die musikalische Zeit zu sagen. Ich fasse mich kurz, versprochen! Schließlich will ich Eure Zeit nicht stehlen (dann müsste ich sie ja sicherheitshalber vor Euch verstecken und das würde Zeit kosten, shit, in welcher Währung eigentlich?).
Was ich zur musikalischen Zeit sagen wollte: Der entscheidende Unterschied zwischen der Jazzmusik und der, die wir die klassische nennen (schallt herüber aus alten Zeiten), besteht in dem fundamental unterschiedlichem Umgang mit der musikalischen Zeit. Ach, sorry, zuvor kurz (Zeiteinschub) noch eine andere Information. Musik besteht prinzipiell auf der Kontrolle von zwei Zeitebenen, dem unter der Musik liegendem Puls und dem sich darüber entfaltendem Rhythmus. Ein jeder musikalischer Moment kann nur funktionieren, wenn beide Ebenen vom Musiker/in sicher kontrolliert werden. Je nachdem, ob wir jetzt die Zeit des Pulses, oder die Zeit des melodischen Rhythmus präferieren, entsteht eine musikalische Welt, die in ihrer Rezeption völlig konträr gewertet wird. Die entscheidende Prägung des Jazz kommt aus Afrika und in den dortigen Musiken gibt es kein accelerando, kein ritardando, die Zeit kann also weder gedrängt, noch gedehnt werden. Jazz ist dann gut, wenn die rhythmisch-melodischen Motive sich bei aller Raffinesse, ihre letztliche Qualität immer an der energetischen Reibung mit dem gleichmäßig laufenden Puls erspielen. Das Ergebnis heisst Groove und ist das oberste der zehn Gebote. Viele Hörer/innen der klassischen Musik macht dieses stete Dranbleiben am Puls regelrecht nervös, sie lieben anderes. Die klassische Musik (schon vor Jahrzehnten hatte ich mir geschworen, sie nie wieder so zu nennen, schließlich orten wir sie zeitlich 50 Jahre nach Bach und 50 Jahre vor Brahms, gehen also sehr großzügig mit der Zeit um) lebt davon, die Zeit unterschiedlich schnell/langsam vergehen zu lassen. Ich sage, vereinfacht, sie traut sich, das Geschehen in der rhythmisch-melodischen Entwicklung als so wichtig zu erachten, dass sie den darunter liegenden Puls häufig variiert. Das wiederum macht die Jazzfreaks wieder regelrecht nervös – watt’n das? Groovt überhaupt nicht. Beide sehen nur eine Seite der Münze (Zeit ist Geld).
Besonders schön ist, wenn es Musiker ab und an schaffen, beide Versionen der Zeit zu kombinieren, wenn Charles Mingus in Fables of Fabous die Zeit ständig mal schneller, mal langsamer vergehen lässt, oder wenn Beethoven seine letzte Klaviersonate so schreibt, dass nur eine Interpretation Sinn macht: Sonate Nr. 32 groovt ohne Ende und bleibt hoffentlich schön am Puls.
Ich denke, wir sollten es schaffen, alle Dogmen über den Haufen zu werfen, dann entsteht vielleicht nicht die beste, aber eine aufregende und inspirierende Zeit, die beste habt Ihr ja sowieso gerade in der Hand.

Wolfgang Schmidtke,
Jazzmusiker

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Zur Geschichte

Der Wuppertaler Galerist und Kulturschaffende H. P. Nacke, der das Magazin 2009 ins Leben gerufen und über viele Jahre hinweg mit viel Fleiß und Herzblut publiziert hat, gab im Sommer 2015 aus Altersgründen seine Druckerei auf. Mit dem Wegfall ihrer technischen Voraussetzungen war vorerst das Ende der Zeitschrift besiegelt. Im September 2015 erschien nach insgesamt 34 Heften die letzte Ausgabe der beliebten Kulturzeitschrift mit einem Themenheft zu Oskar Schlemmer. Zurück blieben eine treue Leserschaft und eine ganze Reihe von Autoren und Fotografen, die sich nicht ohne Weiteres mit der Einstellung der „besten Zeit“ abfinden wollten. So drang der Ruf zu uns, dem Schwebetal-Verlag, dieses Erbe anzutreten und die Zeitschrift weiterzuführen.

Der Verlag wurde im Jahr 2015 gegründet, von Menschen, die alle bereits über viele Jahre in unterschiedlichen Bereichen der Medienwirtschaft Erfahrungen gesammelt hatten und sich nun mit überwiegend lokalen Projekten für die Stadt und die Region einsetzen. Ein Team von Kultur-Enthusiasten, die schon lange den Wunsch hegten, an einem Zeitungsprojekt dieser Art mitzuwirken. So fiel der Ruf auf fruchtbaren Boden und mit dem Segen von H. P. Nacke im Gepäck war schnell klar: Wir machen das! Dass wir das auch schaffen, dazu braucht es Hilfe von vielen Seiten – nicht zuletzt von Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, die wir für den Neustart der „besten Zeit“ begeistern möchten. Nur zusammen mit Ihnen wird es uns gelingen, „die beste Zeit“ in eine neue Zeit zu überführen.

Doch bevor das erste Heft in seiner neuen Form erscheinen konnte, waren wir zuallererst auf Inhalte angewiesen, die uns Redakteure und Fotografen zur Verfügung stellten. Es bereitet uns viel Freude und erfüllt uns mit Dankbarkeit, sowohl mit all denen zusammenzuarbeiten, die  bereits unter der Ägide von H. P. Nacke die Zeitschrift belebt haben, als auch mit einer Reihe von neuen Redakteuren und Beitragenden zu kooperieren. Die Kulturlandschaft im Bergischen Land ist sehr fruchtbar und so war es nicht allzu schwer, die passenden Themen für die erste Ausgabe zu finden. Etwa die wunderbare Tony Cragg-Retrospektive im Von der Heydt-Museum, die auch das Titelbild ziert; oder die Ausstellung „Plasters“ von einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts im Skulpturenpark Waldfrieden / Wuppertal, dem englischen Bildhauer und Zeichner Henry Moore. Wir danken Tony Cragg, der uns einen Text dazu zur Verfügung gestellt hat. Erwähnt sei auch der Beitrag über die fantastische Ausstellung zu Pina Bausch in der Bundeskunsthalle Bonn, die vor allem jene besuchen sollten, die schon immer einmal im Ensemble des Tanztheaters mittanzen wollten und hier, unter Anleitung von Tänzerinnen und Tänzern der Truppe, dazu die Gelegenheit haben. Oder das Geburtstagsständchen für Peter Brötzmann zu seinem 75., mit Fotografien von seinem letzten Konzert in Wuppertal, im Café ADA.

Die Herausforderung bei der Zusammenstellung der Zeitschrift war es denn auch nicht, genügend Themen für die Mai-Ausgabe zusammenzustellen, sondern bestand in der Auswahl dessen, welche Beiträge wir nicht mehr berücksichtigen konnten. Es war dabei auch weniger die Frage der Qualität eines Artikels als vielmehr die Anzahl der zur Verfügung stehenden Seiten ausschlaggebend. Aber es kommen ja, wenn Sie, verehrte Leserin und Leser es wünschen, noch ganz viele Ausgaben der „besten Zeit“ in den Handel. Vier Ausgaben pro Jahr sind geplant. Sie können sicher sein: Wir tun unser Bestes, um das Erbe H. P. Nackes, „die beste Zeit“, auch in Zukunft weiterzuführen. 

Wir wünschen Ihnen beim Lesen viel Vergnügen und hoffen, Ihnen zahlreiche Anregungen für den Besuch von Ausstellungen und Bühnen im Bergischen Land und darüber hinaus geben zu können. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören, und hoffen, weiterhin auf Ihr Interesse zählen zu können!

Willi Barczat, Rita Küster, Helmut Steidler und Juliane Steinbach.

Schwebetal Verlag Wuppertal
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