„die beste Zeit“, Ausgabe Juli-September 2020, gibt es jetzt in unseren Verkaufsstellen. 

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September-Dezember 2016
und unsere erste Ausgabe, Mai-August 2016

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

sind Sie noch da? Wir haben uns so lange nicht mehr gesehen. Auch mal ganz schön, sagen einige. Abstand, das hat ja auch was. Endlich Ruhe. Für viele war und ist es jedoch eine stressige Zeit: Kinder, Homeoffice, Homeschooling, zoomen, streamen, rumskypen, dropboxen, weTransfern, Eltern …. Oder eben weiter zur (systemrelevanten) Arbeit gehen und hoffen. Was uns verbindet, ist ein gewisser Grad an Isolation. Vollführen wir nicht alle Geisterspiele in unseren Wohnungen, in unseren Köpfen? Träumen auch Sie in letzter Zeit so intensiv?

Für die Kunst ist Isolation zunächst einmal wichtig. Jede Künstlerin, jeder Künstler braucht sie, um produktiv sein zu können, immer wieder. Oftmals haben wir zu wenig davon, schon allein, weil das Leben erwirtschaftet werden will. Wie sehr wir die Freiheit der Kunst, ihre Unabhängigkeit gegenüber Gesellschaft, Politik, Moden, dem Publikum betonen: ihr Kern ist und bleibt jedoch die Kommunikation. Ein Werk der Kunst, wie immer wir es definieren, spricht zu uns. Wir erfahren etwas, oftmals erstaunlicherweise über uns selbst. Dieses Sprechen funktioniert im gemeinsamen Augenblick wie auch über Jahrhunderte hinweg.

Das Internet, die „Wunderkammer“, wie es in einer Buchbesprechung am Ende dieses Heftes heißt, zeigt jetzt sein großes Potenzial: In der Isolation verbindet es uns, speist es die politische Meinungsbildung, schafft (virtuelle) Gemeinschaften und behauptet sich als das große Archiv, im Guten wie im Schlechten. Doch bleiben wir bei der „Wunderkammer“: Vermutlich noch nie wurden so viele Schätze der Kunst – Theateraufführungen, Museumssammlungen, Vorträge, Konzerte, Lesungen – virtuell zugänglich gemacht oder live geteilt wie heute. Interessant finde ich vor allem die Hybride, beispielsweise vom Staatstheater Mainz aktuell in der 3sat-Mediathek zu sehen: Inszenierungen für den Theater- wie für den virtuellen Raum. Eigentlich geht es in dieser Inszenierung um Beethoven und seine taubheitsbedingte Isolation, doch plötzlich geht es um uns, in diesen Corona-Zeiten, um unsere vom Abbruch bedrohte Verbindung, um die Künste, um unser Theater, das die Resonanz braucht wie Menschen die Luft zum Atmen.

Kein Zufall, dass dieses vorliegende Heft der „besten Zeit“ überwiegend von bildender Kunst handelt. Das Museum, der Park, das Archiv – mittlerweile auch körperlich wieder zugänglich – sind die Kunsträume der Stunde. Hier können wir Abstand halten und uns dennoch berühren lassen.

Apropos isola: In Zeiten, in denen Kulturorte, Künstlerinnen und Künstler in existenzielle Not geraten, haben wir – der Kulturverein Insel e.V. – einen Mietvertrag unterschrieben. Wir sind Mieter der ersten Etage und des Dachgeschosses im wunderbaren Café Ada! Lange Vorarbeit, ein großes Entgegenkommen der Vermieterin und nicht zuletzt die Unterstützung durch die Stadt Wuppertal machen es möglich, gerade jetzt diesen einmaligen Ort zu erhalten und seine Zukunft zu gestalten. Eine Insel, hoffentlich unter vielen.

Wir sehen uns wieder. Ich wünsche Ihnen anregende Lektüren und immer wieder eine beste Zeit!

Ihr Torsten Krug

 

Verkaufsstellen in Wuppertal, Remscheid, Solingen und Leverkusen:

Elberfeld Bloom Event, Buchhandlung Thalia, Buchhandlung v. MackensenGlücksbuchladen, Looping-Mode, Von der Heydt-Museum/Museumsshop Barmen Bücherladen Jutta Lücke, Café & Buchhandlung im Barmer BahnhofMusikhaus Landsiedel-Becker, Skulpturenpark WaldfriedenCronenberg Buchhandlung Nettesheim Ronsdorf Ronsdorfer Bücherstube Vohwinkel Buchhandlung Jürgensen, Friseursalon Capilli Solingen Kunstmuseum Solingen/Museumsshop Leverkusen Schloß Morsbroich/Museumsshop

Zur Geschichte

Der Wuppertaler Galerist und Kulturschaffende H. P. Nacke, der das Magazin 2009 ins Leben gerufen und über viele Jahre hinweg gemeinsam mit dem Kulturjournalisten Frank Becker (Herausgeber der Musenblätter) mit viel Fleiß und Herzblut publiziert hat, gab im Sommer 2015 aus Altersgründen seine Druckerei auf. Mit dem Wegfall ihrer technischen Voraussetzungen war vorerst das Ende der Zeitschrift besiegelt. Im September 2015 erschien nach insgesamt 34 Heften die letzte Ausgabe der beliebten Kulturzeitschrift mit einem Themenheft zu Oskar Schlemmer. Zurück blieben eine treue Leserschaft und eine ganze Reihe von Autoren und Fotografen, die sich nicht ohne Weiteres mit der Einstellung der „besten Zeit“ abfinden wollten. So drang der Ruf zu uns, dem Schwebetal-Verlag, dieses Erbe anzutreten und die Zeitschrift weiterzuführen.

Der Verlag wurde im Jahr 2015 gegründet, von Menschen, die alle bereits über viele Jahre in unterschiedlichen Bereichen der Medienwirtschaft Erfahrungen gesammelt hatten und sich nun mit überwiegend lokalen Projekten für die Stadt und die Region einsetzen. Ein Team von Kultur-Enthusiasten, die schon lange den Wunsch hegten, an einem Zeitungsprojekt dieser Art mitzuwirken. So fiel der Ruf auf fruchtbaren Boden und mit dem Segen von H. P. Nacke im Gepäck war schnell klar: Wir machen das! Dass wir das auch schaffen, dazu braucht es Hilfe von vielen Seiten – nicht zuletzt von Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, die wir für den Neustart der „besten Zeit“ begeistern möchten. Nur zusammen mit Ihnen wird es uns gelingen, „die beste Zeit“ in eine neue Zeit zu überführen.

Doch bevor das erste Heft in seiner neuen Form erscheinen konnte, waren wir zuallererst auf Inhalte angewiesen, die uns Redakteure und Fotografen zur Verfügung stellten. Es bereitet uns viel Freude und erfüllt uns mit Dankbarkeit, sowohl mit all denen zusammenzuarbeiten, die  bereits unter der Ägide von H. P. Nacke die Zeitschrift belebt haben, als auch mit einer Reihe von neuen Redakteuren und Beitragenden zu kooperieren. Die Kulturlandschaft im Bergischen Land ist sehr fruchtbar und so war es nicht allzu schwer, die passenden Themen für die erste Ausgabe zu finden. Etwa die wunderbare Tony Cragg-Retrospektive im Von der Heydt-Museum, die auch das Titelbild ziert; oder die Ausstellung „Plasters“ von einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts im Skulpturenpark Waldfrieden / Wuppertal, dem englischen Bildhauer und Zeichner Henry Moore. Wir danken Tony Cragg, der uns einen Text dazu zur Verfügung gestellt hat. Erwähnt sei auch der Beitrag über die fantastische Ausstellung zu Pina Bausch in der Bundeskunsthalle Bonn, die vor allem jene besuchen sollten, die schon immer einmal im Ensemble des Tanztheaters mittanzen wollten und hier, unter Anleitung von Tänzerinnen und Tänzern der Truppe, dazu die Gelegenheit haben. Oder das Geburtstagsständchen für Peter Brötzmann zu seinem 75., mit Fotografien von seinem letzten Konzert in Wuppertal, im Café ADA.

Die Herausforderung bei der Zusammenstellung der Zeitschrift war es denn auch nicht, genügend Themen für die Mai-Ausgabe zusammenzustellen, sondern bestand in der Auswahl dessen, welche Beiträge wir nicht mehr berücksichtigen konnten. Es war dabei auch weniger die Frage der Qualität eines Artikels als vielmehr die Anzahl der zur Verfügung stehenden Seiten ausschlaggebend. Aber es kommen ja, wenn Sie, verehrte Leserin und Leser es wünschen, noch ganz viele Ausgaben der „besten Zeit“ in den Handel. Vier Ausgaben pro Jahr sind geplant. Sie können sicher sein: Wir tun unser Bestes, um das Erbe H. P. Nackes, „die beste Zeit“, auch in Zukunft weiterzuführen. 

Wir wünschen Ihnen beim Lesen viel Vergnügen und hoffen, Ihnen zahlreiche Anregungen für den Besuch von Ausstellungen und Bühnen im Bergischen Land und darüber hinaus geben zu können. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören, und hoffen, weiterhin auf Ihr Interesse zählen zu können!

Willi Barczat, Rita Küster, Helmut Steidler und Juliane Steinbach.

Schwebetal Verlag Wuppertal
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