„die beste Zeit“, Ausgabe Oktober-Dezember 2019, liegt in unseren Verkaufsstellen für Sie bereit. Erfreuen Sie sich an Geschichten, Reportagen, Kritiken und Kulturtipps aus dem Bergischen Land und darüber hinaus.

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und unsere erste Ausgabe, Mai-August 2016

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

Es war der heute fast vergessene Wuppertaler Lackfabrikant Dr. Kurt Herberts, der 1936/37 von den Nazis verfemte Künstler in seinem Unternehmen als künstlerische Berater beschäftigte. Einer von ihnen war der ehemalige Bauhauslehrer Oskar Schlemmer, dem eine große Ausstellung von November 2019 bis Februar 2020 im Von der Heydt-Museum gewidmet ist. Sie beleuchtet unter anderem Schlemmers Zeit in Wuppertal, in der einige bedeutende Spätwerke entstanden. Auch „Das Totale Tanz Theater“ präsentiert von der Initiative Tanzrauschen, verneigt sich vor Schlemmer und der hundertjährigen Bauhaus-Tradition: Im Rahmen des „dancescreen 2019 + Tanzrauschen Festival Wuppertal“ vom 21. bis zum 24. November zeigt die Initiative eine von Schlemmer und Walter Gropius inspirierte Choreografie von Richard Siegal zu Musik von Einstürzende Neubauten.

Das Wirken des Lackfabrikanten Herberts reicht bis in die Gegenwart, beherbergen seine Villa und sein Park doch jetzt den Skulpturenpark Waldfrieden, in dem zurzeit eine große Ausstellung mit Plastiken von Mirò zu sehen ist. Wuppertal ist reich an kulturellen Highlights wie diesen. Gleich zwei hochrangige Illustratorinnen, Christiane Pieper und Ulrike Möltgen, erhielten den Troisdorfer Bilderbuchpreis, zusammen mit dem ebenso renommierten Peter Hammer Verlag. In Wuppertal wurde der Free Jazz erfunden, dessen Protagonistinnen und Protagonisten den Ruf der Stadt bis heute in die Welt tragen. Wie lebendig die Szene immer noch ist, zeigt ein Glückwunsch zu Dietrich Rauschtenbergers 80. Geburtstag. Über diese Themen und noch vieles mehr berichten wir in diesem Heft.

Zurzeit muss man allerdings fragen, ob die kulturellen Schätze dieser Stadt noch in guten Händen sind. Eines der renommiertesten Museen der Republik muss sich ohne Führung durchschlagen, niemand weiß, wie lange noch. Auch gibt es ein Historisches Zentrum, das ausgerechnet im Jahr von Friedrich Engels‘ 200. Geburtstag renoviert wird und zum Stichtag 28. November 2020 wohl noch nicht fertig sein wird. Ein anderes Beispiel ist der neue Döppersberg, der, einst als Touristenmagnet und Jobmotor gepriesen, nun vor allem mit leer stehenden Geschäftsflächen, Billigläden und etlichen Bäckereien auf sich aufmerksam macht. Viele dieser Vorgänge lassen sich unter der Rubrik Pleiten, Pech und Pannen subsumieren. Weit darüber hinaus gehen allerdings die Vorgänge um das Aushängeschild Tanztheater. Da kam ein PR-Berater ins Spiel, der im Vorfeld der geplanten fristlosen Kündigung der Intendantin Adolphe Binder Einzelheiten über Vorfälle im Tanztheater an die Presse lancieren sollte. Die Kündigung selbst scheiterte in zwei Instanzen und veranlasste das Landesarbeitsgericht, Mutmaßungen über eine gewisse Geheimdiplomatie in der Wuppertaler Stadtspitze anzustellen. Auch wurde ein Arbeitsvertrag mit Binder geschlossen, der quasi unkündbar war. Der Oberbürgermeister will von allem nichts gewusst haben und nun, nachdem das einzigartige kulturelle Erbe der Stadt beschädigt wurde, die ganze Sache untersuchen. Man darf gespannt sein, was dabei herauskommt. Ist es Zufall, dass der OB ausgerechnet jetzt zwei zusätzliche Personalstellen verlangt, die die Positionen der Stadt in die sozialen Netzwerke transportieren sollen? Die Gemengelage ist so haarsträubend, dass sich die Frage stellt, ob nicht Konsequenzen folgen müssten – zum Wohl der Stadt und ihrer Bürgerinnen und Bürger, zum Wohl des Tanztheaters, das der Stadt Glanz verleiht und ihren Namen in die ganze Welt trägt.

Christiane Gibiec

 


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Zur Geschichte

Der Wuppertaler Galerist und Kulturschaffende H. P. Nacke, der das Magazin 2009 ins Leben gerufen und über viele Jahre hinweg gemeinsam mit dem Kulturjournalisten Frank Becker (Herausgeber der Musenblätter) mit viel Fleiß und Herzblut publiziert hat, gab im Sommer 2015 aus Altersgründen seine Druckerei auf. Mit dem Wegfall ihrer technischen Voraussetzungen war vorerst das Ende der Zeitschrift besiegelt. Im September 2015 erschien nach insgesamt 34 Heften die letzte Ausgabe der beliebten Kulturzeitschrift mit einem Themenheft zu Oskar Schlemmer. Zurück blieben eine treue Leserschaft und eine ganze Reihe von Autoren und Fotografen, die sich nicht ohne Weiteres mit der Einstellung der „besten Zeit“ abfinden wollten. So drang der Ruf zu uns, dem Schwebetal-Verlag, dieses Erbe anzutreten und die Zeitschrift weiterzuführen.

Der Verlag wurde im Jahr 2015 gegründet, von Menschen, die alle bereits über viele Jahre in unterschiedlichen Bereichen der Medienwirtschaft Erfahrungen gesammelt hatten und sich nun mit überwiegend lokalen Projekten für die Stadt und die Region einsetzen. Ein Team von Kultur-Enthusiasten, die schon lange den Wunsch hegten, an einem Zeitungsprojekt dieser Art mitzuwirken. So fiel der Ruf auf fruchtbaren Boden und mit dem Segen von H. P. Nacke im Gepäck war schnell klar: Wir machen das! Dass wir das auch schaffen, dazu braucht es Hilfe von vielen Seiten – nicht zuletzt von Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, die wir für den Neustart der „besten Zeit“ begeistern möchten. Nur zusammen mit Ihnen wird es uns gelingen, „die beste Zeit“ in eine neue Zeit zu überführen.

Doch bevor das erste Heft in seiner neuen Form erscheinen konnte, waren wir zuallererst auf Inhalte angewiesen, die uns Redakteure und Fotografen zur Verfügung stellten. Es bereitet uns viel Freude und erfüllt uns mit Dankbarkeit, sowohl mit all denen zusammenzuarbeiten, die  bereits unter der Ägide von H. P. Nacke die Zeitschrift belebt haben, als auch mit einer Reihe von neuen Redakteuren und Beitragenden zu kooperieren. Die Kulturlandschaft im Bergischen Land ist sehr fruchtbar und so war es nicht allzu schwer, die passenden Themen für die erste Ausgabe zu finden. Etwa die wunderbare Tony Cragg-Retrospektive im Von der Heydt-Museum, die auch das Titelbild ziert; oder die Ausstellung „Plasters“ von einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts im Skulpturenpark Waldfrieden / Wuppertal, dem englischen Bildhauer und Zeichner Henry Moore. Wir danken Tony Cragg, der uns einen Text dazu zur Verfügung gestellt hat. Erwähnt sei auch der Beitrag über die fantastische Ausstellung zu Pina Bausch in der Bundeskunsthalle Bonn, die vor allem jene besuchen sollten, die schon immer einmal im Ensemble des Tanztheaters mittanzen wollten und hier, unter Anleitung von Tänzerinnen und Tänzern der Truppe, dazu die Gelegenheit haben. Oder das Geburtstagsständchen für Peter Brötzmann zu seinem 75., mit Fotografien von seinem letzten Konzert in Wuppertal, im Café ADA.

Die Herausforderung bei der Zusammenstellung der Zeitschrift war es denn auch nicht, genügend Themen für die Mai-Ausgabe zusammenzustellen, sondern bestand in der Auswahl dessen, welche Beiträge wir nicht mehr berücksichtigen konnten. Es war dabei auch weniger die Frage der Qualität eines Artikels als vielmehr die Anzahl der zur Verfügung stehenden Seiten ausschlaggebend. Aber es kommen ja, wenn Sie, verehrte Leserin und Leser es wünschen, noch ganz viele Ausgaben der „besten Zeit“ in den Handel. Vier Ausgaben pro Jahr sind geplant. Sie können sicher sein: Wir tun unser Bestes, um das Erbe H. P. Nackes, „die beste Zeit“, auch in Zukunft weiterzuführen. 

Wir wünschen Ihnen beim Lesen viel Vergnügen und hoffen, Ihnen zahlreiche Anregungen für den Besuch von Ausstellungen und Bühnen im Bergischen Land und darüber hinaus geben zu können. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören, und hoffen, weiterhin auf Ihr Interesse zählen zu können!

Willi Barczat, Rita Küster, Helmut Steidler und Juliane Steinbach.

Schwebetal Verlag Wuppertal
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