„die beste Zeit“, Ausgabe Januar-März 2019, liegt in unseren Verkaufsstellen für Sie bereit. Erfreuen Sie sich an Geschichten, Reportagen, Kritiken und Kulturtipps aus dem Bergischen Land und darüber hinaus.

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Editorial

Friedrich Engels ist länger tot als Else Lasker-Schüler. Am Ende ihres Lebens waren beide fast gleichaltrig, nämlich 75 Jahre alt. Der Barmer starb 1895 in London. Die Elberfelderin 1945 in Jerusalem. In der Fremde. Beide sind zeitlos. Während er auf den Verstand zielt, trifft sie mit ihren Texten und Bildern ins Herz. Gemeinsam ist ihnen auch, dass sich bis heute die Meinungen über sie spalten. Mit dem „Else Lasker-Schüler-Jahr 2019“ und dem „Engels-Jahr 2020“ scheinen jedoch beide in ihrer Heimatstadt angekommen zu sein.

Else Lasker-Schüler also. Entweder man mag sie. Oder man lehnt sie ab. Man hat sie in viele Schubladen gesteckt:  Königin der Bohème, Pionierin des literarischen Expressionismus, Poetin der Zeichenfeder, „erste Performerin“ (Yehuda Amichai), „größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte (Benn), „stärkste und unwegsamste lyrische Erscheinung des modernen Deutschland“ (Karl Kraus). „Alkoholikerin“ (Kafka). Der Dichter Klabund sagte über sie: „Else Lasker-Schüler trägt ihr Herz an einer goldenen Kette um den Hals. Sie ist ohne Scham: jeder darf es betrachten.“

Zusammen mit Engels und der ebenfalls lange umstrittenen Pina Bausch gehört Else Lasker-Schüler zu den „kulturellen Helden Wuppertals“ (Nick Dmitriev). Eine schillernde Heldin mit zahlreichen Pseudonymen wie Jussuff, Tino von Bagdad oder Indianer. Man muss sich auf sie einlassen. Wie etwa der Wuppertaler Wolfgang Schmidtke, einer von mehr als 450 Komponisten, die ihre Lyrik vertonten: „Weil es da immer wieder Gefühle und Bilder gibt, die Innerstes spiegeln und verträumt sind – und im nächsten Moment von der Außenwelt durchbrochen werden und ins Schmerzhafte umschlagen.“

Johannes Rau hielt „die wunderbare Künstlerin“ für unpolitisch. Welch ein Trugschluss. Wer von des Kaisers Polizei mit Vortragsverbot im „Cabaret zum Peter Hille“ belegt wird, wer gegen die Diskriminierungsparagrafen 175 (Homosexuelle) und 218 (Abort) polemisiert, den Antisemitismus als Erbkrankheit anprangert – der soll unpolitisch sein? Auch wusste Else Lasker-Schüler, dass Presse- und Meinungsfreiheit nicht uneingeschränkt die der Autoren ist. Mit ihrer Streitschrift „Ich räume auf“ wendet sie sich gegen die Macht der Verleger, die sie ausbeuten und ihres „stolzesten Besitzes“ berauben. Ganz schön mutig für eine alleinerziehende Mutter, die mit diesem Pamphlet an dem Ast sitzt, auf dem die angeblich so Apolitische sitzt.

Mit dem „Malik“ schrieb sie 1919 lange vor Remarque den Antikriegsroman schlechthin. Ihr erstes Theaterstück „Die Wupper“ – gewidmet ihrer Geburtsstadt – ist nicht nur eine Milieustudie über die da unten und die da oben, sondern thematisiert (damals ungewöhnlich) auch Vergewaltigung und Exhibitionismus, während sie in ihrem zweiten Bühnenwerk „Arthur Aronymus“ mit poetischer Wucht den Antisemitismus in christlich-jüdischer Versöhnung münden lässt.

Ihr letztes Drama „IchundIch“ (1941) ist eine Antifaschismus-Tragikomödie, welche Faust angesichts des Grauens vor die Gretchenfrage der deutschen Kultur stellt. Else Lasker-Schüler stellt sie.

Dazu ist in diesem „Else-Jahr“ ein „Perspektivwechsel“ festzustellen. Damit meine ich nicht nur die Beiträge über die Galeristen Grölle und Zheleznyak oder die alternativen Spielstätten ort und LOCH, sondern die Haltung der Stadt Wuppertal, die im Jubiläumsjahr erfreulicherweise mit der ELS-Gesellschaft und anderen Vereinen kooperiert. Andere Blickwinkel eröffnet auch Heiner Bontrup. Er porträtiert gleich zwei starke Frauen: Else Lasker-Schüler, die das Recht auf Fantasie und damit die Würde des Menschen auch in den Zeiten des Staatsterrors verteidigt, und die frühere Pina Bausch-Tänzerin Chrystel Guillebeaud. Sie setzt sich in  „Dein Femur singt“ mit der Sterblichkeit auseinander. Was die beiden sonst so ungleichen Künstlerinnen miteinander verbindet, ist der Humor.

Hajo Jahn

Gründer und Vorsitzender der Else-Lasker-Schülergesellschaft

Verkaufsstellen in Wuppertal, Remscheid, Solingen und Leverkusen:

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Zur Geschichte

Der Wuppertaler Galerist und Kulturschaffende H. P. Nacke, der das Magazin 2009 ins Leben gerufen und über viele Jahre hinweg gemeinsam mit dem Kulturjournalisten Frank Becker (Herausgeber der Musenblätter) mit viel Fleiß und Herzblut publiziert hat, gab im Sommer 2015 aus Altersgründen seine Druckerei auf. Mit dem Wegfall ihrer technischen Voraussetzungen war vorerst das Ende der Zeitschrift besiegelt. Im September 2015 erschien nach insgesamt 34 Heften die letzte Ausgabe der beliebten Kulturzeitschrift mit einem Themenheft zu Oskar Schlemmer. Zurück blieben eine treue Leserschaft und eine ganze Reihe von Autoren und Fotografen, die sich nicht ohne Weiteres mit der Einstellung der „besten Zeit“ abfinden wollten. So drang der Ruf zu uns, dem Schwebetal-Verlag, dieses Erbe anzutreten und die Zeitschrift weiterzuführen.

Der Verlag wurde im Jahr 2015 gegründet, von Menschen, die alle bereits über viele Jahre in unterschiedlichen Bereichen der Medienwirtschaft Erfahrungen gesammelt hatten und sich nun mit überwiegend lokalen Projekten für die Stadt und die Region einsetzen. Ein Team von Kultur-Enthusiasten, die schon lange den Wunsch hegten, an einem Zeitungsprojekt dieser Art mitzuwirken. So fiel der Ruf auf fruchtbaren Boden und mit dem Segen von H. P. Nacke im Gepäck war schnell klar: Wir machen das! Dass wir das auch schaffen, dazu braucht es Hilfe von vielen Seiten – nicht zuletzt von Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, die wir für den Neustart der „besten Zeit“ begeistern möchten. Nur zusammen mit Ihnen wird es uns gelingen, „die beste Zeit“ in eine neue Zeit zu überführen.

Doch bevor das erste Heft in seiner neuen Form erscheinen konnte, waren wir zuallererst auf Inhalte angewiesen, die uns Redakteure und Fotografen zur Verfügung stellten. Es bereitet uns viel Freude und erfüllt uns mit Dankbarkeit, sowohl mit all denen zusammenzuarbeiten, die  bereits unter der Ägide von H. P. Nacke die Zeitschrift belebt haben, als auch mit einer Reihe von neuen Redakteuren und Beitragenden zu kooperieren. Die Kulturlandschaft im Bergischen Land ist sehr fruchtbar und so war es nicht allzu schwer, die passenden Themen für die erste Ausgabe zu finden. Etwa die wunderbare Tony Cragg-Retrospektive im Von der Heydt-Museum, die auch das Titelbild ziert; oder die Ausstellung „Plasters“ von einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts im Skulpturenpark Waldfrieden / Wuppertal, dem englischen Bildhauer und Zeichner Henry Moore. Wir danken Tony Cragg, der uns einen Text dazu zur Verfügung gestellt hat. Erwähnt sei auch der Beitrag über die fantastische Ausstellung zu Pina Bausch in der Bundeskunsthalle Bonn, die vor allem jene besuchen sollten, die schon immer einmal im Ensemble des Tanztheaters mittanzen wollten und hier, unter Anleitung von Tänzerinnen und Tänzern der Truppe, dazu die Gelegenheit haben. Oder das Geburtstagsständchen für Peter Brötzmann zu seinem 75., mit Fotografien von seinem letzten Konzert in Wuppertal, im Café ADA.

Die Herausforderung bei der Zusammenstellung der Zeitschrift war es denn auch nicht, genügend Themen für die Mai-Ausgabe zusammenzustellen, sondern bestand in der Auswahl dessen, welche Beiträge wir nicht mehr berücksichtigen konnten. Es war dabei auch weniger die Frage der Qualität eines Artikels als vielmehr die Anzahl der zur Verfügung stehenden Seiten ausschlaggebend. Aber es kommen ja, wenn Sie, verehrte Leserin und Leser es wünschen, noch ganz viele Ausgaben der „besten Zeit“ in den Handel. Vier Ausgaben pro Jahr sind geplant. Sie können sicher sein: Wir tun unser Bestes, um das Erbe H. P. Nackes, „die beste Zeit“, auch in Zukunft weiterzuführen. 

Wir wünschen Ihnen beim Lesen viel Vergnügen und hoffen, Ihnen zahlreiche Anregungen für den Besuch von Ausstellungen und Bühnen im Bergischen Land und darüber hinaus geben zu können. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören, und hoffen, weiterhin auf Ihr Interesse zählen zu können!

Willi Barczat, Rita Küster, Helmut Steidler und Juliane Steinbach.

Schwebetal Verlag Wuppertal
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