„die beste Zeit“, Ausgabe Juli-September 2022, gibt es jetzt in unseren Verkaufsstellen. 

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Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

„Wundertal“ ist der Name eines großen Events, das Boris Charmatz, neuer Intendant des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, für Mai 2023 plant. Eine große Performance auf der Straße – nicht nur mit dem Ensemble, sondern mit möglichst vielen Beteiligten aus der ganzen Stadt. „Wundertal“ – was für ein Name! Es könnte der Inbegriff für die viel beschworene „fehlende Erzählung“ für diese Stadt sein: eine Stadt, in der Wunder möglich sind, weil sie sich immer wieder neu erfindet. Weil ihr auch aus scheinbar verfahrenen Situationen heraus Aufbruch gelingt. Vor allem, weil sie Persönlichkeiten, die auf radikale Weise kreativ sind, einen Spielraum gibt und weil sie außer aus ewigen Nörglern und Knötterern auch aus vielen Menschen besteht, die bereit sind, diesen Weg mitzugehen und sich sogar aktiv dabei einzubringen.

Auf eine solche radikale Weise kreativ war der große Free Jazzer Peter Kowald, der auch 20 Jahre nach seinem Tod mit seiner Musik und seinem schöpferischen, Menschen verbindenden „Spirit“ präsent ist. Sein langjähriger Freund und Weggefährte, der Dresdner Schlagzeuger Günter Baby Sommer – selbst ein solcher Radikal-Kreativer – blickt in dieser Ausgabe der „besten Zeit“ auf die gemeinsame Zeit zurück. Und wer stünde mehr für radikale und risikobereite Kreativität als Pina Bausch, die mit ihrer Kunst diese Stadt geprägt hat?

Aus dem, was Boris Charmatz hier in diesem Heft über seine Pläne erzählt, spricht eine vergleichbare Haltung: „Pina Bausch hat eine brennende Kunst produziert, und wir müssen uns an diesen Ort der Radikalität, des Feuers und der Intensität begeben“, schreibt er. Was er sich dabei vorstellt, könnte den ein oder anderen eingeschworenen Fan des Tanztheater Wuppertal heftig schlucken lassen. Ein Stück von Pina im Freien, nackt, ohne Dekor und Kostüme? Ein Umgang mit dem Repertoire wie mit einer Partitur oder einem Theatertext, den man immer wieder neu interpretiert? Dass offenbar die Pina Bausch Foundation, die über die Rechte an den Stücken wacht, bereit ist, diesen Weg mitzugehen, lässt darauf schließen, dass man sich dort von der argusäugigen Kontrolle über das große Erbe inzwischen verabschiedet hat und bereit zu Öffnung und Risiko ist. Wundertal eben!

Trotzdem darf man fragen: Wieviel radikale Erneuerung verträgt (oder gar braucht) das Werk von Pina Bausch, ohne seine Identität zu verlieren? Pina Bausch war ein seismografischer Sinn für die Themen der Zeit eigen, und sie reagierte darauf intuitiv mit den Mitteln ihrer Kunst. Muss man es in Zeiten fluider Gender-Identitäten und eines veränderten ökologischen Bewusstseins tatsächlich neu befragen, oder gerät man in den Sog von Zuschreibungen, die dem Werk genauso wie einer Person nicht gerecht werden?

„Zuschreibungen“ ist das Thema der diesjährigen Wuppertaler Literaturbiennale im September, die sich auf vielfältige Weise mit der Frage nach „Identität“ beschäftigt, wie Julia Wessel erhellend aufschlüsselt. Einmal mehr erweisen sich die Macherinnen und Macher der Biennale damit als unmittelbar am Puls der Zeit.

Übrigens: Dass Wuppertal und die Region überhaupt so viel Kultur hervorbringen und auch diese Ausgabe der „besten Zeit“ wieder voll ist mit Beiträgen zu sehenswerter Kunst, lesenswerten Büchern, hörenswerter Musik und mehr – auch das ist für uns alle drei Monate neu: Wundertal! Die Redaktion wünscht allen einen wunderbaren Kultursommer!

Ihre Anne-Kathrin Reif

P.S. Kurz vor Drucklegung erreichte uns die traurige Nachricht vom allzu frühen Tod des Wuppertaler Cartoonisten André Poloczek, weithin bekannt als Polo. Wir widmen ihm in freundschaftlichem Gedenken diese Ausgabe der „besten Zeit“. Sein Porträt auf dem Titel stammt von Andreas M. Wiese.

Verkaufsstellen in Wuppertal, Remscheid und Solingen:

Elberfeld Bloom EventBuchhandlung v. MackensenGlücksbuchladen, Looping-Mode, Von der Heydt-Museum/Museumsshop Barmen Bücherladen Jutta Lücke, Café & Buchhandlung im Barmer BahnhofMusikhaus Landsiedel-Becker, Skulpturenpark WaldfriedenCronenberg Buchhandlung Nettesheim Ronsdorf Ronsdorfer Bücherstube Vohwinkel Buchhandlung Jürgensen, Friseursalon Capilli Remscheid Galerie Wroblowski Solingen Kunstmuseum Solingen/Museumsshop

Zur Geschichte

Der Wuppertaler Galerist und Kulturschaffende H. P. Nacke, der das Magazin 2009 ins Leben gerufen und über viele Jahre hinweg gemeinsam mit dem Kulturjournalisten Frank Becker (Herausgeber der Musenblätter) mit viel Fleiß und Herzblut publiziert hat, gab im Sommer 2015 aus Altersgründen seine Druckerei auf. Mit dem Wegfall ihrer technischen Voraussetzungen war vorerst das Ende der Zeitschrift besiegelt. Im September 2015 erschien nach insgesamt 34 Heften die letzte Ausgabe der beliebten Kulturzeitschrift mit einem Themenheft zu Oskar Schlemmer. Zurück blieben eine treue Leserschaft und eine ganze Reihe von Autoren und Fotografen, die sich nicht ohne Weiteres mit der Einstellung der „besten Zeit“ abfinden wollten. So drang der Ruf zu uns, dem Schwebetal-Verlag, dieses Erbe anzutreten und die Zeitschrift weiterzuführen.

Der Verlag wurde im Jahr 2015 gegründet, von Menschen, die alle bereits über viele Jahre in unterschiedlichen Bereichen der Medienwirtschaft Erfahrungen gesammelt hatten und sich nun mit überwiegend lokalen Projekten für die Stadt und die Region einsetzen. Ein Team von Kultur-Enthusiasten, die schon lange den Wunsch hegten, an einem Zeitungsprojekt dieser Art mitzuwirken. So fiel der Ruf auf fruchtbaren Boden und mit dem Segen von H. P. Nacke im Gepäck war schnell klar: Wir machen das! Dass wir das auch schaffen, dazu braucht es Hilfe von vielen Seiten – nicht zuletzt von Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, die wir für den Neustart der „besten Zeit“ begeistern möchten. Nur zusammen mit Ihnen wird es uns gelingen, „die beste Zeit“ in eine neue Zeit zu überführen.

Doch bevor das erste Heft in seiner neuen Form erscheinen konnte, waren wir zuallererst auf Inhalte angewiesen, die uns Redakteure und Fotografen zur Verfügung stellten. Es bereitet uns viel Freude und erfüllt uns mit Dankbarkeit, sowohl mit all denen zusammenzuarbeiten, die  bereits unter der Ägide von H. P. Nacke die Zeitschrift belebt haben, als auch mit einer Reihe von neuen Redakteuren und Beitragenden zu kooperieren. Die Kulturlandschaft im Bergischen Land ist sehr fruchtbar und so war es nicht allzu schwer, die passenden Themen für die erste Ausgabe zu finden. Etwa die wunderbare Tony Cragg-Retrospektive im Von der Heydt-Museum, die auch das Titelbild ziert; oder die Ausstellung „Plasters“ von einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts im Skulpturenpark Waldfrieden / Wuppertal, dem englischen Bildhauer und Zeichner Henry Moore. Wir danken Tony Cragg, der uns einen Text dazu zur Verfügung gestellt hat. Erwähnt sei auch der Beitrag über die fantastische Ausstellung zu Pina Bausch in der Bundeskunsthalle Bonn, die vor allem jene besuchen sollten, die schon immer einmal im Ensemble des Tanztheaters mittanzen wollten und hier, unter Anleitung von Tänzerinnen und Tänzern der Truppe, dazu die Gelegenheit haben. Oder das Geburtstagsständchen für Peter Brötzmann zu seinem 75., mit Fotografien von seinem letzten Konzert in Wuppertal, im Café ADA.

Die Herausforderung bei der Zusammenstellung der Zeitschrift war es denn auch nicht, genügend Themen für die Mai-Ausgabe zusammenzustellen, sondern bestand in der Auswahl dessen, welche Beiträge wir nicht mehr berücksichtigen konnten. Es war dabei auch weniger die Frage der Qualität eines Artikels als vielmehr die Anzahl der zur Verfügung stehenden Seiten ausschlaggebend. Aber es kommen ja, wenn Sie, verehrte Leserin und Leser es wünschen, noch ganz viele Ausgaben der „besten Zeit“ in den Handel. Vier Ausgaben pro Jahr sind geplant. Sie können sicher sein: Wir tun unser Bestes, um das Erbe H. P. Nackes, „die beste Zeit“, auch in Zukunft weiterzuführen. 

Wir wünschen Ihnen beim Lesen viel Vergnügen und hoffen, Ihnen zahlreiche Anregungen für den Besuch von Ausstellungen und Bühnen im Bergischen Land und darüber hinaus geben zu können. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören, und hoffen, weiterhin auf Ihr Interesse zählen zu können!

Rita Küster und Willi Barczat

Schwebetal Verlag Wuppertal
Friedrich-Engels-Allee 191a
42285 Wuppertal

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Rita Küster +49 202 313431

Willi Barczat +49 177 7886715

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