„die beste Zeit“, Ausgabe Januar-März 2020, liegt in unseren Verkaufsstellen für Sie bereit. Erfreuen Sie sich an Geschichten, Reportagen, Kritiken und Kulturtipps aus dem Bergischen Land und darüber hinaus.

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September-Dezember 2016
und unsere erste Ausgabe, Mai-August 2016

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

„Es herrscht ein schreckliches Elend unter den niedern Klassen, besonders den Fabrikarbeitern im Wuppertal; syphilitische und Brustkrankheiten herrschen in einer Ausdehnung, die kaum zu glauben ist; in Elberfeld allein werden von 2500 schulpflichtigen Kindern 1200 dem Unterricht entzogen und wachsen in den Fabriken auf, bloß damit der Fabrikherr nicht einem Erwachsenen, dessen Stelle sie vertreten, das Doppelte des Lohnes zu geben nötig hat, das er einem Kinde gibt. Die reichen Fabrikanten aber haben ein weites Gewissen, und ein Kind mehr oder weniger verkommen zu lassen, bringt keine Pietistenseele in die Hölle, besonders wenn sie alle Sonntage zweimal in die Kirche geht.“

Ich war 19, als ich das in meinen „Briefen aus dem Wuppertal“ schrieb. Dass in „meinem“ Wuppertal heute die Kinder zur Schule gehen, statt in den Fabriken zu arbeiten, und die meisten Menschen zumindest für das Lebensnotwendige keine 70 Wochenstunden mehr arbeiten müssen, macht mich froh. Dass aber noch immer mehr als ein Drittel der Kinder hier in Armut lebt, ist kaum zu fassen. Die Hoffnung, dass durch Bildung prekäre Lebensverhältnisse überwunden werden, hat sich nur zum Teil erfüllt. Noch immer hängt der Erfolg vom sozialen Status der Eltern ab.

Während meiner kaufmännischen Ausbildung in der väterlichen Baumwollspinnerei in Manchester beobachtete ich ähnliche, womöglich noch schlimmere Lebensverhältnisse als im Wuppertal. Was ich erforschte, veröffentlichte ich 1845 in meinem Buch „Lage der arbeitenden Klasse in England“. Diese Erfahrungen, meine philosophischen Studien und die Begegnung mit Karl Marx machten mich zu dem, der ich wurde. Gemeinsam mit Karl Marx veröffentlichte ich ein Buch, das die Welt verändern sollte: „Das Manifest der Kommunistischen Partei“.

Das Kommunistische Manifest war die politische Blaupause für die revolutionären Bewegungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Was aus der russischen Revolution und der späteren Sowjetunion wurde, war ein Verrat an dieser politischen Idee.

Was ist aus vielen meiner Ideen geworden?! Und gerade da, wo man mich heute noch am meisten verehrt, hat ausgerechnet ein Staat, dessen Gründungsmythos der Kommunismus ist, unter den Vorzeichen der Globalisierung die Marktkräfte des Kapitalismus wie kein anderer entfesselt. Kontrolliert und manipuliert mit den digitalen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts das Denken seiner Bürger und schlägt jede aufkeimende Demokratiebewegung blutig nieder. Und diese sogenannte Volksrepublik China schenkt meiner Heimatstadt Barmen, Verzeihung, Wuppertal, auch noch ein Denkmal in pseudokommunistischem Kitsch, das mich darstellen soll. Ein Treppenwitz der Geschichte! Da stehe ich nun im scheußlichen Stil des sozialistischen Realismus vor dem Haus meiner Kindheit im bergischen Stil. Wie hatte mein Freund Karl Marx noch gesagt: „Die Philosophen haben die Welt verschiedentlich interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.“ Nun zeigt sich im Licht der Geschichte, dass die Philosophie des historisch-dialektischen Materialismus geirrt hat. Sie hat die Welt zwar verändert, aber nicht in ihrem Sinne. Nur wenige Meter entfernt von mir steht das großartige Kunstwerk „Die starke Linke“ des österreichischen Bildhauers Alfred Hrdlicka. Die Skulptur zeigt mehrere ineinander verschlungene Gliedmaßen, die Körperfesseln tragen. Ein linker Arm ragt heraus und versucht, die Ketten aller zu sprengen. Eine in Stein gemeißelte Illusion? Oder doch die Hoffnung, von der wir nicht lassen sollen? Vielleicht reißen die Ketten nicht durch revolutionäre Prozesse, die am Reißbrett der Philosophie ausgedacht und an den Schaltzentralen von Parteien exekutiert werden. Vielleicht würde ich in meinen „Neuen Briefen aus dem Wuppertal“ über hoffnungsvolle Initiativen, die lokalen Kraftzentren wie die Utopia-Stadt oder der ort schreiben, Aktivitäten, bei denen sich Menschen spontan zusammenschließen, im gemeinsamen Handeln ihre Lebenswelt gestalten. Meine Hoffnung auf eine menschliche Welt und gerechtere Gesellschaftsordnung gäbe ich jedenfalls nicht auf!

Friedrich Engels alias Heiner Bontrup

 


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Zur Geschichte

Der Wuppertaler Galerist und Kulturschaffende H. P. Nacke, der das Magazin 2009 ins Leben gerufen und über viele Jahre hinweg gemeinsam mit dem Kulturjournalisten Frank Becker (Herausgeber der Musenblätter) mit viel Fleiß und Herzblut publiziert hat, gab im Sommer 2015 aus Altersgründen seine Druckerei auf. Mit dem Wegfall ihrer technischen Voraussetzungen war vorerst das Ende der Zeitschrift besiegelt. Im September 2015 erschien nach insgesamt 34 Heften die letzte Ausgabe der beliebten Kulturzeitschrift mit einem Themenheft zu Oskar Schlemmer. Zurück blieben eine treue Leserschaft und eine ganze Reihe von Autoren und Fotografen, die sich nicht ohne Weiteres mit der Einstellung der „besten Zeit“ abfinden wollten. So drang der Ruf zu uns, dem Schwebetal-Verlag, dieses Erbe anzutreten und die Zeitschrift weiterzuführen.

Der Verlag wurde im Jahr 2015 gegründet, von Menschen, die alle bereits über viele Jahre in unterschiedlichen Bereichen der Medienwirtschaft Erfahrungen gesammelt hatten und sich nun mit überwiegend lokalen Projekten für die Stadt und die Region einsetzen. Ein Team von Kultur-Enthusiasten, die schon lange den Wunsch hegten, an einem Zeitungsprojekt dieser Art mitzuwirken. So fiel der Ruf auf fruchtbaren Boden und mit dem Segen von H. P. Nacke im Gepäck war schnell klar: Wir machen das! Dass wir das auch schaffen, dazu braucht es Hilfe von vielen Seiten – nicht zuletzt von Ihnen, liebe Leserin, lieber Leser, die wir für den Neustart der „besten Zeit“ begeistern möchten. Nur zusammen mit Ihnen wird es uns gelingen, „die beste Zeit“ in eine neue Zeit zu überführen.

Doch bevor das erste Heft in seiner neuen Form erscheinen konnte, waren wir zuallererst auf Inhalte angewiesen, die uns Redakteure und Fotografen zur Verfügung stellten. Es bereitet uns viel Freude und erfüllt uns mit Dankbarkeit, sowohl mit all denen zusammenzuarbeiten, die  bereits unter der Ägide von H. P. Nacke die Zeitschrift belebt haben, als auch mit einer Reihe von neuen Redakteuren und Beitragenden zu kooperieren. Die Kulturlandschaft im Bergischen Land ist sehr fruchtbar und so war es nicht allzu schwer, die passenden Themen für die erste Ausgabe zu finden. Etwa die wunderbare Tony Cragg-Retrospektive im Von der Heydt-Museum, die auch das Titelbild ziert; oder die Ausstellung „Plasters“ von einem der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts im Skulpturenpark Waldfrieden / Wuppertal, dem englischen Bildhauer und Zeichner Henry Moore. Wir danken Tony Cragg, der uns einen Text dazu zur Verfügung gestellt hat. Erwähnt sei auch der Beitrag über die fantastische Ausstellung zu Pina Bausch in der Bundeskunsthalle Bonn, die vor allem jene besuchen sollten, die schon immer einmal im Ensemble des Tanztheaters mittanzen wollten und hier, unter Anleitung von Tänzerinnen und Tänzern der Truppe, dazu die Gelegenheit haben. Oder das Geburtstagsständchen für Peter Brötzmann zu seinem 75., mit Fotografien von seinem letzten Konzert in Wuppertal, im Café ADA.

Die Herausforderung bei der Zusammenstellung der Zeitschrift war es denn auch nicht, genügend Themen für die Mai-Ausgabe zusammenzustellen, sondern bestand in der Auswahl dessen, welche Beiträge wir nicht mehr berücksichtigen konnten. Es war dabei auch weniger die Frage der Qualität eines Artikels als vielmehr die Anzahl der zur Verfügung stehenden Seiten ausschlaggebend. Aber es kommen ja, wenn Sie, verehrte Leserin und Leser es wünschen, noch ganz viele Ausgaben der „besten Zeit“ in den Handel. Vier Ausgaben pro Jahr sind geplant. Sie können sicher sein: Wir tun unser Bestes, um das Erbe H. P. Nackes, „die beste Zeit“, auch in Zukunft weiterzuführen. 

Wir wünschen Ihnen beim Lesen viel Vergnügen und hoffen, Ihnen zahlreiche Anregungen für den Besuch von Ausstellungen und Bühnen im Bergischen Land und darüber hinaus geben zu können. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören, und hoffen, weiterhin auf Ihr Interesse zählen zu können!

Willi Barczat, Rita Küster, Helmut Steidler und Juliane Steinbach.

Schwebetal Verlag Wuppertal
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